Vertreterin der unsichtbaren Arbeiterinnen

Andrea Farago arbeitet im Zentrallager
der Firma Salesianer und kümmert sich als Betriebsrätin um die Anliegen der
Arbeiter*innen aus vielen Nationen.

Ohne Arbeit nicht gut drauf

Andrea Farago (41) ist ein Energiebündel. Sie sorgt als Arbeiterin im Zentrallager der Firma Salesianer in St. Pölten dafür, dass Krankenhausbekleidung und Wäsche elektronisch erfasst und in Paketen für die Wäschereien der Firma zusammengestellt werden - damit die Krankenhäuser am Ende jeweils nur die für sie bestimmte Wäsche erhalten.

Sie ist aber auch Betriebsrätin und kümmert sich um die Anliegen von Arbeiterinnen aus mehreren Nationen. Gemeinsam mit ihren Kolleginnen im Zentrallager und den Beschäftigten in den Wäschereien der Firma sorgt sie unter anderem dafür, dass in Krankenhäusern die stark verschmutzte Kleidung abgeholt, sortiert und gereinigt wird und immer frische und saubere Bekleidung für das Personal zur Verfügung steht, etwa bei Operationen.

Ihre Arbeit ist Andrea Farago sehr wichtig: „Ohne Arbeit bin ich nicht gut drauf, ohne Arbeit ist alles anstrengend und weniger sinnvoll. Meine Arbeit bedeutet für mich auch Unabhängigkeit und lässt mich meine Freizeit mehr schätzen.“ Die Arbeit von Andrea Farago und ihren Kolleginnen war gerade während der Corona-Pandemie sehr wichtig: „Wir und die Kolleginnen und Kollegen in den Wäschereien waren während der Pandemie – wie man so schön sagt - systemrelevant und haben ohne Pause weitergearbeitet, damit die Krankenhäuser saubere Wäsche und OP-Bekleidung bekommen. Das wurde aber von der Politik nicht gesehen und beim Corona-Bonus der Bundesregierung sind wir, ähnlich wie die Reinigungskräfte in den Krankenhäusern selbst, leer ausgegangen.“ 

Betriebsrätin aus Überzeugung

In ihrem Betrieb in St. Pölten arbeiten hauptsächlich Frauen. Die meisten davon im Schichtdienst und Vollzeit. Dazu kommt noch, dass sie aus vielen verschiedenen Nationen stammen und Deutsch nicht immer die Muttersprache ist. Das ist für Andrea Farago aber kein Problem. „Ich habe immer gern anderen Menschen geholfen. Das ist auch der Grund, dass ich mich 2020 vollster Überzeugung als Betriebsrätin zur Wahl gestellt habe, als mich meine Vorgängerin gefragt hat, ob ich daran interessiert sei.“

Andrea Farago ist als Betriebsrätin nicht freigestellt. Sie macht die Arbeit zusätzlich zu ihrem Job. Mindestens eine Stunde am Tag investiert sie in Gespräche mit Kolleginnen, etwa wenn es um Fragen zur Karenz oder auch den Steuerausgleich geht. „Ich unterstütze die Kolleginnen auch, wenn sie zum Beispiel ein Gespräch mit der Geschäftsführung haben. Zu meinen Aufgaben gehört auch die Verwaltung des Betriebsratsfonds oder die Organisation von Betriebsratsgeschenken zu Weihnachten. Diese Dinge erledige ich oft außerhalb meiner Arbeitszeit in der Freizeit. Nur am Sonntag mach ich nix für andere. Das ist mein Tag!

Lehre nachgeholt

Seit 2012 arbeitet Andrea Farago schon bei der Firma Salesianer in St. Pölten. Dabei wollte sie als Jugendliche nach der Hauptschule eine Lehre als Friseurin beginnen, fand aber keine Lehrstelle. Als im AKH in Wien eine Büromitarbeiterin gesucht wurde, entschied sie, sich dort zu bewerben, und wurde aufgenommen. Damals war sie 17. Mit 21 Jahren verließ sie das AKH. Ihren Lebensunterhalt bestritt sie danach mit Bürojobs in Wien.

„Ohne Lehrabschluss war es schon in Wien schwierig, einen Job zu bekommen, als ich dann nach Niederösterreich aufs Land gezogen bin, war es noch schwieriger.“ Sie beschloss, den Lehrabschluss als Bürokauffrau nachzuholen. „Mir war es wichtig, einen Abschluss zu erlangen. Das Lernen ist mir immer leichtgefallen, auch damals, als ich die Lehrabschlussprüfung nachholte. Mir war es immer wichtig, einen Abschluss zu erlangen.“ Über das AMS besuchte sie Sprachkurse und machte den Computerführerschein.

Mit dem Lernen hört Andrea Farago noch lange nicht auf: Derzeit absolviert sie die Gewerkschaftsschule und lernt unter anderem Arbeitsrecht und anderen für ihre Arbeit als Betriebsrätin nützlichen Lernstoff.