Guter Geist der Brauerei

Martina Scheibel führt Besucher*innen durch die Wieselburger Brauerei und hat immer ein Ohr für die Sorgen und Probleme ihrer Kolleginnen und Kollegen. 

Führungen durch die Brauerei Wieselburg 

Sie wird von ihren Kolleginnen und Kollegen der „gute Geist der Brauerei“ genannt. Und wer schon einmal eine Führung durch die Wieselburger Brauerei gemacht, hat Martina Scheibel bestimmt kennengelernt. Die Wieselburgerin kennt die Brauerei in- und auswendig und erklärt Besucherinnen und Besuchern seit über 21 Jahren, wie in der Brauerei Bier gebraut wird.

Als gelernte Köchin und Kellnerin ist sie auch für die Organisation der Bewirtung bei Veranstaltungen und Besprechungen zuständig. „Ich mache meinen Job mit Herzblut und habe mir das Wissen über die Brauerei selbst angeeignet. Bei meiner ersten Führung mit über 50 Leuten war ich noch sehr nervös und habe mir dutzende Notizzettel mitgenommen.“ In besonders intensiven Jahren haben Martina Scheibel und ihre Kolleginnen und Kollegen 12.000 Menschen durch die Brauerei geführt. 

Erste und einzige Frau im Arbeiter*innen-Betriebsrat

Als guter Geist der Brauerei hatte Martina Scheibel immer ein Ohr für die Sorgen und Probleme ihrer Kolleginnen und Kollegen. Seit 2016 war sie auch Ersatz-Betriebsrätin. Als der Betriebsratsvorsitzende vor kurzem in Pension ging, wurde sie von ihrem Kollegen gefragt, ob sie sich als aktive Betriebsrätin engagieren möchte. Seit Anfang des Jahres ist sie im Betriebsrat der Arbeiter*innen aktiv und dort die allererste und einzige Frau. Jetzt absolviert sie die Betriebsrät*innen-Akademie (BRAK) der AK Niederösterreich, damit sie in Zukunft auch für ihre Tätigkeit als Betriebsrätin bestens gerüstet ist. „Ich bin froh, dass ich diese Ausbildung machen kann, denn ich bekomme nicht nur viel juristisches, wirtschaftliches und politisches Wissen vermittelt, sondern lerne auch Verhandlungs- und Beratungstechniken oder auch Stressmanagement-Techniken kennen.“

Nicht unterkriegen lassen

Als junges Mädchen wollte Martina Scheibel Friseurin werden. Da sie aber nicht auf Anhieb eine Lehrstelle fand, schaute sie sich nach anderen Lehrstellen um und entschied sich dann 1987 eine Lehre zur Köchin und Kellnerin zu beginnen. Während der Lehre wechselte sie einmal den Betrieb und schloss ihre Lehre im Gasthaus der Firma Moserwurst ab, wo sie bis zur Geburt ihrer ersten Tochter im Jahr 1997 arbeitete. Nach der Geburt blieb sie bis Oktober 2000 zu Hause bei ihrem Kind.

Als in Ihre Mutter in Pension ging und die Kinderbetreuung übernehmen konnte, begann sie über eine Leiharbeitsfirma in der Wieselburger Brauerei zu arbeiten. „Neben der Arbeit in Flaschenabfüllung, Fassabfüllung oder im Warenversand bzw. Expedit, habe ich dann bald begonnen nebenbei Führungen zu machen.“ 2006 kam die zweite Tochter auf die Welt und Martina Scheibel ging wieder in Karenz. In dieser Zeit arbeitete sie als geringfügig Beschäftigte in einer Boutique, bevor sie 2009 wieder ihren Dienst in der Brauerei fortsetzte.

Seit 2011 kümmert sie sich hauptsächlich um Führungen. „Das wichtigste ist, dass man eine Arbeit hat, die Spaß macht und wo man auch glücklich ist im Job. Vor allem als Frau sollte man sich aber im Berufsleben nie unterkriegen lassen. Wir Frauen sind gut und müssen uns nicht dreifach oder vierfach beweisen, nur weil wir Frauen sind.“